Da der letzte Montag ein nationaler Feiertag war, konnte ich mir ein langes Kulturwochenende gönnen und ein wenig in die religiöse Geschichte Japans einsteigen. Den Auftakt bildete am Samstag der Asakusa-Kannon Tempel, der zu den grössten in Tokyo gehört. Eine riesige Einkaufsstrasse mit Souvenirbuden führt zu dem Tempel und macht die Orientierung einfach und auch
Ich muss zugeben, dass ich am Anfang einen buddhistischen Tempel nicht von einem Shintoschrein unterscheiden konnte. Das ist auch gar nicht so einfach, weil sie (zumindest für den europäischen Laien) architektonisch ähnlich sind und die religiösen Handlungen, die dort vollzogen werden ebenfalls ähnlich sind. Dann noch die unzähligen buddhistischen Sekten und die Baustile voneinander zu unterscheiden wird endgültig zum Ding der Unmöglichkeit. Um diesen Zustand zu ändern habe ich mir Literatur besorgt und will mir zumindest einen groben Überblick verschaffen. Doch ich tröste mich: auch von einem Japaner ist es zuviel verlangt, eine evangelische von einer katholischen Kirche zu unterscheiden.
Am nächsten Tag habe ich einen Ausflug nach Kamakura unternommen, eine Stadt, die etwa 40 km ausserhalb von Tokyo liegt, im Mittelalter selbst einmal Hauptstadt von Japan war und damals wie heute ein religiöses Zentrum ist. Kurzum, die Stadt scheint aus Tempeln zu bestehen. Doch zuerst geht es zum Tsurugaoka-Hachiman Schrein und zusammen mit mir haben wieder einmal mehrere tausend Japaner die gleiche Idee. Man braucht sich wirklich keine Sorgen zu machen, man könnte vom Weg abkommen, ich fühle mich wie ein Wassertropfen, der in den Rhein fällt.
Danach kommt der Zen Tempel Kenchoji an die Reihe, in dem schon deutlich weniger los ist, weil er etwas abseits liegt. Doch der Garten und die alten Gebäude sind herrlich und vom oben am Berg gelegenen Teil des Tempels blickt man über bewaldete Hügel nach Yokohama, zum Meer und an diesem Tag wegen der Wolken nicht ganz bis zum Fuji.
Doch die grösste Sehenswürdigkeit steht mir noch bevor: der grosse Buddha im Kotokuin Tempel. Die mit Sockel über 13 Meter hohe Bronzestatue gilt als die schönste Buddhastatue Japans und tatsächlich macht der gesamte Tempelbezirk ordentlich Eindruck. Die Rituale sind wie gesagt recht einfach, am Brunnen die Hände waschen, nach Belieben ein Rauchopfer anzünden und am Eingang eine Münze in die dafür vorgesehene, je nach Tempel teils kinderbettgrosse Kiste werfen und dann eine Verbeugung. An manchen Tempeln klatscht man noch in die Hände oder läutet an einer über der Tür hängenden Glocke, damit der Gott, oder Buddha auf einen aufmerksam wird. Hier ist das allerdings nicht nötig und die Zeit der stillen Andacht ist auch nur begrenzt, denn hinter mir stehen nicht wenige Japaner, die auch drankommen wollen.
Das Wetter ist etwas trüb und nur wenige Menschen sind bei den Ronin um zu beten und Räucherstäbchen abzubrennen und so stellt sich zum Ende meines Tempelmarathons meditative Stimmung ein.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen