Sonntag, 12. Juli 2009

Kleine Japanreise Teil 3 (Shikoku und Koya-san)

Unsere naechste Station ist Shikoku, die viertgroesste der japanischen Hauptinseln. Diese Gegend ist eher laendlich gepraegt und als ich Kollegen spaeter erzaehle, dass ich dort war koennen viele ihr Erstaunen nicht verbergen. Dass man freiwillig in die Provinz reist erscheint ihnen zumindest einmal spassig.




Tatsaechlich geht es auf Shikoku etwas gemaechlicher zu, die Leute sind nicht nach dem allerneuesten Chic gekleidet und man kann ein Japan entdecken, dass sich deutlich von Tokyo unterscheidet. Unser Schiff kommt in Matsuyama, der groessten Stadt der Insel an. Matsuyama hat immerhin 467.000 Einwohner, eine deutsche Stadt dieser Groesse nennt sich schon Metropolregion und selbst unser frisch gewaehlter Pforzheimer Buergermeister sagt, man muesse in urbanen Achsen denken.
Leider haben wir nicht viel Zeit fuer die Insel und schon zwei Tage spaeter geht unser Schiff von Takamatsu nach Kobe. Von dort aus reisen wir nach Koya-san.

Koya-san ist eine Klostersiedlung, die in den Bergen liegt und das Zentrum der buddhistischen Shingon-Sekte ist. Wir uebernachten stilecht im Tempel, der einen wunderschoenen Garten hat, aber ansonsten eher moenchisch karg ist. Englisch gesprochen wird gar nicht. Der alte Mann, der uns bedient und herumfuehrt lobt unentwegt mein gestottertes Japanisch und laechelt ansonsten sehr guetig.

Nach dem Abendessen gehen wir ueber den riesigen buddhistischen Friedhof. Jeder in Japan, der das Geld hat will sich -oder zumindest Teile von sich- dort bestattet oder aufbewahrt haben. Ein Gedenkstein ist auch eine Alternative, die helfen soll wenn sein Stifter zu Lebzeiten eher schlechtes Karma angesammelt hat, weil Sushi und Sake nicht auf dem buddhistischen Speiseplan stehen und Pachinko spielen der Erleuchtung eher abtraeglich ist.

Die Nacht in unserem Zimmer ist kalt, sehr kalt. Andererseits ist das ja auch ein Kloster und nicht das Grand Hyatt und ausserdem, wenn das Haus bei einem naechtlichen Erdbeben einstuerzen sollte, werden uns die herabfallenden Pappwaende nicht ernsthaft verletzen. Am naechsten Morgen entschaedigt ein frueher Spaziergang im Park, den wir direkt ueber die Veranda erreichen. Danach kommt die Morgenzeremonie (ebenfalls kalt) und dann das Fruehstueck.
Insgesamt scheint dieser Ort so weit weg von Tokyo, so entrueckt von der Welt, doch als wir mit dem Zug wieder zurueck fahren, sitzt ein Moench im Wagen. Nachdem er eine Weile an seinem Handy herumgespielt hat, schlaeft er ein. Und wuerde er keine Kutte sondern einen dunklen Anzug tragen, haette ich schon wieder das Gefuehl in Tokyo zu sein.


Ein Tempelgarten in Koya-san. Die Steine symbolisieren zwei Drachen. (Nur fuer die, die nicht von selbst drauf gekommen sind).




Verwunschene Ecken auf dem weitlaeufigen und jahrhundertealten buddhistischen Friedhof.



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