Sonntag, 23. November 2008

Massenbewegung - Hakone Wochenende Teil 1




Für dieses Wochenende hatten Bianca, Julia und ich uns vorgenommen, der Grossstadt den Rücken zuzukehren und nach Hakone zu fahren. Eine spannende Reise, die in manchen Details aber anders verläuft, als wir uns das ausgedacht haben.

Hakone ist so etwas wie das Naherholungsgebiet von Tokyo, Yokohama, Osaka und Kobe. Es ist eine vulkanisch geprägte Landschaft, leicht bergig mit zahlreichen heissen Quellen, in der Nähe des Fuji gelegen, den man bei guter Sicht eindrucksvoll sehen kann.

Schon bei der Anreise lernen wir was es bedeutet ins Naherholungsgebiet einer Region zu fahren, die 35 Mio Einwohner hat. Das gesamte Gebiet von Hakone lässt sich von einem Rundweg aus erkunden, der aus den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln besteht und denen gemein ist, dass sie unentwegt Heerscharen von Menschen befördern. Wenn man die japanische Art zu reisen mag, kann man den gesamten Trip von Tokyo aus an einem Tag machen, ohne jemals richtig ins Freie zu kommen.

Doch wir wollen etwas von der Gegend sehen und noch eine Übernachtung im ryokan, einem traditionellen japanischen Gasthaus einschieben.

Ich habe damit gerechnet, dass viel los sein würde, aber für diese Massenbewegung hat meine Fantasie dann doch nicht ausgereicht. Ausser einer Unterbrechung in Odawara, einer ganz hübschen Stadt am Meer besteht der erste halbe Tag unserer Reise aus Zug- und Seilbahnfahrten. Alles überfüllt, kilometerlange Schlangen und laut rufendes japanisches Ordnungspersonal in Paradeuniform. Uniformen sind in Japan der ganz grosse Hit, jeder hat eine. Und selbst der Bahnbedienstete, dessen Aufgabe darin besteht ein Absperrband zu halten, weil die Bahngesellschaft aus Kostengründen auf die Anschaffung von Pfosten verzichtet hat ist eingekleidet wie ein 3-Sterne-General.

Richtig zu sehen gibt es erst was in Owakudani, dem „Tal des grossen Dampfes“. Hier wird der vulkanische Charakter spürbar, schwefelhaltige Dämpfe strömen aus dem Boden, in heissen Quellen brodelt das Wasser und hinter der nächsten Bergkette erhebt sich der Fuji, halb in Wolken gehüllt, erhaben und ruhevoll, eine Kraft verkörpernd, die man selbst hier, inmitten der industriealisierten Massenbespassung erahnen kann. Doch der Besuchermagnet sind hier ganz unzweifelhaft die Eier, die in den heissen Quellen gekocht werden und deren Schalen sich durch den Schwefel schwarz verfärben. Auch wir erliegen ihrer Anziehungkraft und essen welche, doch ausser der Schale ist nicht viel besonderes dran.

Mit der Seilbahn geht es zum Ashi See hinab, der malerisch zwischen den Bergen liegt. Auch er ist vulkanischen Ursprungs und friert wegen der Aktivitäten im Winter nie zu. Auf dem See verkehren Schiffe, die wie spanische Galeeren aussehen sollen, Kitsch ohne Gnade. Ein solches Schiff bringt uns am späten Nachmittag nach Hakone-machi, wo wir übernachten. Wir haben Schwierigkeiten unser ryokan zu finden, denn die Beschreibung „3 Minuten vom Postamt“ lässt genügend Spielraum für Interpretation. Auch treffen wir hier auf eine vielfach beschriebene Facette des japanischen Kommunikationsverhaltens: wer nach dem Weg gefragt wird, gibt Antwort, auch wenn sie falsch ist. Wir sind in Japan, nicht in Neinpan und somit gibt keiner zu, dass er es nicht weiss und schickt uns lieber in irgendeine Richtung. Schliesslich treffen wir aber auf einen Japaner, der uns persönlich hinführt und somit unserer Odyssee ein Ende macht.

Die Übernachtung in einem ryokan ist ein ebenfalls sehr spannendes und vor allem unvergessliches Erlebnis. Davon dann im zweiten Teil.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Markus!

Freu mich von dir zu lesen. Bin schon gespannt auf den zweiten Teil des WE.

Viel Spaß noch!

Grüße Dani