Sonntag, 16. November 2008

Spaziergaenge (I)

Wie vermutlich jede Großstadt vereint Tokyo in sich viele Gegensätze. Man ist versucht, das Schlagwort von „Tradition und Moderne“ darüber zu setzen, doch das greift wahrscheinlich zu kurz. Mit Schlagworten wird man diese Millionenstadt, die zu den größten der Welt gehört kaum fassen können. Und doch hat diese Stadt so viel was typisch an ihr ist.

Unter der Woche komme ich selten aus meinem Viertel Osaki heraus, was auch gar nicht nötig ist. Läden, Restaurants, Kneipen, fast alles was ich brauche liegt in unmittelbarer Nähe und so mache ich mich meist nur am Wochenende auf, um die anderen Ecken der Stadt zu erkunden.


Am gestrigen Samstag war das Shichi-go-san (7-5-3) Fest, bei dem Kinder diesen Alters in feierliche Kimonos gekleidet, in den Schreinen gesegnet werden. Nur ein paar Bahnstationen von meinem Appartment entfernt liegt der Meiji Schrein mitten in einem großen Park. Der Schrein ist eines der bedeutendsten Pilgerziele Japans und dementsprechend ist am Feiertag viel los. Neben zahlreichen Kindern sind auch etliche Hochzeitsgesellschaften zu bestaunen. Trauungen werden in diesem Schrein in Serie abgearbeitet.

Vielleicht 200 Meter Luftlinie vom Park entfernt finden sich die Einkaufsstraßen von Harajuku. Tausende häufig schrill kostümierte Jugendliche strömen durch die viel zu engen Straßen, vorbei an Läden, in denen man schrille Kostüme kaufen kann. Alle drei Schritte dudelt eine andere Musik aus den offenen Türen, es blinkt und quitscht an jeder Ecke.
Ähnlich geht es auch in Shibuya zu, nur da sind die Straßen breiter, es laufen mehr Menschen herum und zwischendrin fahren noch Autos.
Eine Welt, die mich überfährt, wie ein rosa Schnellzug, in dem Volksmusik läuft.

1 Kommentar:

defaude hat gesagt…

Hi Markus,

wir kennen uns (glaub ich) zwar nicht, aber ich bin durch Zufall über Deinen Blog gestolpert und muss sagen, dass Deine Beschreibung der ersten Eindrücke einfach verdammt treffend ist :) Ich selbst war 2008 ein halbes Jahr in Tokyo - genauer gesagt für ein Praktikum bei Siemens in Gotanda (also gleich bei Dir um die Ecke). Musste beim Lesen Deiner Beiträge oft schmunzeln, weil die Erinnerungen an dieses geile halbe Jahr wieder hochgekommen sind - verdammt, ich muss mir einen Job in Tokyo suchen... :D